Entscheidung für einen Bundesvorsitzenden

6. November 2013 - 10:38 |

Beim kommenden Bundesparteitag steht die Wahl eines neuen Bundesvorstandes an. Sowohl Bernd als auch ich haben eine Kandidatur zum Bundesvorsitz bereits abgelehnt. Ich selbst habe mich bislang nicht öffentlich dazu geäußert, wen ich für einen Posten wählen werde - einfach auch deshalb, weil ich mir eine etwaige Zusammenarbeit im Team nicht von vorneherein erschweren oder meine eigenen Kandidaturen (positiv oder negativ) beeinflussen wollte.

Dieses Mal kandidiere ich nicht, ich werde nicht mehr im neuen BuVo präsent sein.

Und ich werde Stefan Körner (Sekor) wählen, wenn es um das Amt des Bundesvorsitzenden geht.

Warum? Die Arbeit im Bundesvorstand ist nicht einfach. Sie ist tatsächlich sogar deutlich schwieriger, als die meisten Piraten glauben. Und sie ist völlig anders, als die meisten Piraten glauben. "Hands-On"-Arbeit, etwas "selbst erledigen" oder in alle Abschnitte eines Projektes eingebunden sein, das gibt es nicht mehr - ein BuVo darf eigentlich nur noch delegieren und die Delegation überwachen. Er ist, im besten Sinne, im Management.
Das bringt einige Veränderungen mit sich. Wer ein guter Kreis- oder Bezirksvorstand ist muss noch lange nicht als BuVo gut sein (ich habe vom Bezirk bis zum Bund alle Stationen durch). Der BuVo ist abstrakt, Entscheidungen häufig nicht mit unmittelbaren Auswirkungen gesegnet und man hat wenig direkten Kontakt mit Piraten (doch, klar hat man den. Aber es ist ein anderer Teil der Arbeit). Auch arbeitet man in einem Team mit sehr festen Kompetenzregelungen - man kann nicht mehr jede Entscheidung gemeinsam treffen, nicht mehr jede Arbeit verfolgen. Gleichzeitig repräsentiert man gegenüber der Partei und der Öffentlichkeit aber den gesamten Vorstand. "Das ist nicht mein Bereich" ist nur eine begrenzt akzeptable Ausrede.
Und ja, man repräsentiert die Partei wirklich. Mit etwas Pech kann ein unbedachter Tweet einen Shitstorm oder eine unangenehme mediale Berichterstattung auslösen. Daran muss man sich gewöhnen - und das ist weder einfach noch kann es jeder.
Und nicht zuletzt hat der BuVo keinen Welpenschutz. Es gibt keine "hundert Tage", das Gremium muss vom ersten Tag an arbeitsfähig sein - und das in einer Situation, die nicht einfach ist. Die Partei muss wieder motiviert werden, die Öffentlichkeit zurückgewonnen, Richtungsentscheidungen getroffen. Wir müssen wieder um Berichterstattung kämpfen, gleichzeitig kreative Ideen haben und eine Partei steuern, die zu groß für horizontale Vernetzung geworden ist.

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass Mitglieder des Bundesvorstandes bereits vor ihrer Wahl Erfahrungen in einem Landesvorstand gesammelt haben sollten oder wenigstens auf Bundesebene in Beauftragungen seit längerem mitarbeiten. Ein Beisitzer mag noch Einarbeitungszeit haben können - aber auch da funktioniert es deutlich besser, wenn die eigentliche Arbeit bereits bekannt ist und nur die Neuheit des Gremiums dazu kommt.

Gerade für Vorsitz und pol. GF (ich hoffe immer noch, dass Katta erneut kandidiert) braucht es auch Medienerfahrung.

Sekor bringt eine Unmenge an Erfahrung mit. Er war viele Jahre lang Vorsitzender des Landesverbandes Bayern, er hat die Ruhe die man in dem Amt braucht, viel Erfahrung auch mit kritischer Presse. Er kann sowohl ironisch-spaßig (bspw. CSU-Facebookparty) als auch sehr seriös mit Medien umgehen. Er hat gezeigt, dass er ernsthaft, entschlossen, ehrlich - aber auch kompromissbereit in inhaltliche Debatten geht. Einer Diskussion zwischen ihm und bspw. CSU-Vertretern zu folgen ist so immer wieder ein Lehrstück in der richtigen Mischung aus Fachwissen, deutlicher Darstellung, Respekt vor dem polit. Gegner und dem Witz, den ein überzeugender Auftritt braucht.
Vor Allem aber bringt er meiner Meinung nach die nötige Stressresistenz und Entschlossenheit mit, die er in diesem Amt brauchen wird.

Ja, Sekor ist nicht unumstritten. Er hat sich mit klaren inhaltlichen Bekenntnissen auch Feinde gemacht. Aber ist es nicht das, was wir eigentlich wollen - Ehrlichkeit und Offenheit, die klare Darstellung der eigenen Ziele und Vorstellungen? Die offene und transparente Debatte? Und nicht zuletzt - die Entscheidung für einen Parteivorsitzenden ist in der Piratenpartei vor Allem eine organisatorische und weniger eine inhaltliche. Und, bei allen inhaltlichen Differenzen, seine organisatorischen Talente müssen auch seine Gegner anerkennen. Was sie nicht zuletzt bei der Marina Kassel jedes Jahr tun.

Er hat die Erfahrung und die Fachkunde. Es gibt viel zu tun. Lasst es ihn anpacken.

Blog reactions

No reactions yet.

CC0 1.0 Universal
To the extent possible under law, Sebastian Nerz has waived all copyright and related or neighboring rights to this Work, Entscheidung für einen Bundesvorsitzenden.

Flattr