Bundesvorstand und die Zukunft

17. Oktober 2012 - 14:16 |

In letzter Zeit wurde ich recht häufig gefragt, wie lange ich noch im Bundesvorstand aktiv sein möchte. Die Mehrheit der Anfragen war sehr freundlich, im Stil einer Bitte, längerfristig aktiv zu bleiben, um Erfahrungen weiterzugeben. Ein anderer Teil war eher unsachlich. Dafür zuerst einmal vielen Dank.

Ich habe diese Frage eigentlich bereits bei meiner Listenkandidatur beantwortet, möchte dies jetzt aber auch verlinkbar und nachlesbar machen. Ich halte es für sinnvoll, dies frühzeitig zu tun, damit die Partei weiß, woran sie ist. Die Veröffentlichung erfolgt ohne Bezug zu aktuellen Debatten und ist länger geplant.

Ich bin angetreten, um die Piratenpartei in die Bundestagswahl zu begleiten. Dies möchte ich gerne zu Ende führen. Danach werde ich nicht erneut für den Bundesvorstand kandidieren. Bei einer Neuwahl vor der Bundestagwahl mache ich eine erneute Kandidatur von den Rahmenbedingungen abhängig.

Ich werde der Partei dadurch nicht verloren gehen, sondern möchte mich nur auf andere Arbeitsgebiete konzentrieren. Auch schließe ich nicht aus, in der Zukunft irgendwann erneut zu kandidieren. Gründe für diesen Schritt gibt es mehrere, der unwichtigste Punkt zuerst:

  1. Die Arbeit im Bundesvorstand ist anstrengend. Wie Bernd dies bereits in seiner Sprechstunde dargelegt hat, lässt sie sich nicht beliebig lange neben der beruflichen Tätigkeit her betreiben.
  2. Nach der Bundestagswahl wird die Partei vermutlich und hoffentlich im Bundestag vertreten sein – und ich frischgebackener Abgeordneter. Ich möchte mich diesem Mandat und der Arbeit in der Fraktion mit ganzer Kraft widmen können. Und ich möchte diese Arbeit ohne inneren Zwiespalt zwischen Bundesvorstand und Bundestag führen können.
  3. Für mich ist etwas anderes aber der tatsächlich wichtigste Teil: Die Partei hat sich in den Jahren, in denen ich sie bislang mitarbeiten durfte, sehr stark verändert. Ich war Teil dieser Veränderung. Das hat zum Teil viel Kraft gekostet, mich zugleich aber vieles gelehrt – und ich glaube, dass die nach der Bundestagswahl anstehenden Veränderungen neue Köpfe brauchen. Mein Ziel war es immer, die Partei zu begleiten und nicht, sie unbeabsichtigt zurückzuhalten. Daher würde es mich freuen, wenn die neuen Herausforderungen dann auch von neuen Köpfen aufgegriffen werden, und denen möchte ich nicht im Wege stehen. Ich hatte das Glück, mit der Partei viele turbulente Veränderungen mitmachen zu können, und will nicht am Stuhl kleben bleiben oder zu sehr in feste Gewohnheiten verfallen.

Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Bei allen emotionalen Debatten und Angriffen, bei allem zeitlichen Einsatz ... ich möchte die Piratenpartei nicht missen. Ich habe viel gelernt. Und ich weiß, dass ich mich noch über diese Entscheidung ärgern werde – spätestens, wenn meine Nachfolger in einem Jahr Entscheidungen treffen, die ich ablehne. Aber vor allem freue ich mich darauf, jetzt den Bundestagswahlkampf führen zu können im sicheren Wissen, dass ich mich danach, so oder so, neuen Herausforderungen zuwenden kann. Mit dieser Ankündigung erleichtere ich mir die Arbeit auch selbst, da die Entscheidung dann feststeht und ich meine verbleibende Amtszeit ganz in Ruhe arbeiten kann.

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