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Über Twitter kam gerade die Frage "Was wäre so schlimm an der Verbreitung meiner Krankenakte?" - eine kurze Replik.

Was an dieser konkreten Krankenakte schlimm wäre - keine Ahnung, ich kenne sie nicht. Das muss die Fragestellerin selbst wissen ;) Also antworte ich mal etwas allgemeiner: Was wäre so schlimm an der Verbreitung von Krankenakten…

Ich hatte in meinem Leben eine Reihe von Unfällen - darunter Knochenbrüche, Platzwunden, Schnittverletzungen und behandlungspflichte Prellungen. Keiner davon ist mir wirklich peinlich. Auch meine Rückenschmerzen vor gut einem Monat sind mir nicht peinlich (ich habe ja sogar darüber getwittert). Peinlich ist mir dagegen mein Gewicht - hey, jeder kann sehen, dass ich abnehmen muss. Aber wie viel? Das geht nur mich etwas an.

Aber ich sage es ganz deutlich: Ich möchte nicht, dass irgendjemand meine Krankenakte veröffentlicht. Dazu hat *niemand* das Recht. Und ich möchte zum Arzt gehen können und wissen "der erzählt niemand davon". Und dabei habe ich eine sehr unspektakuläre Krankenakte (ihr habt allerdings nur mein Wort dafür ;) ). Was ist mit Menschen, die sich unangenehme Geschlechtskrankheiten einfangen? Das ist einmal peinlich - und mag bei einem VIP durchaus existenzbedrohend sein, wenn es publik wird. Mal abgesehen davon, dass die aktuelle Beziehung dann eventuell am A. ist, weil Schatzi dann weiß, dass man nicht nur "keine Lust" hat - sondern es eventuell einen seitensprüngigen Grund dafür gibt.

Was ist mit Menschen die Krankheiten haben, die ihnen peinlich sind? Das mögen Schweißfüße sein, erworbene Diabetes, eine Raucherlunge oder HIV (wobei ich diese Krankheiten nicht auf eine Stufe stellen will) - jeder hat selbst das Recht zu entscheiden, was die Gesellschaft über ihn weiß. Was ist, wenn es jemand peinlich ist, dass er Fußpilz hat? (Ist ein prominentes Beispiel dafür) Der Gesellschaft ist es vermutlich völlig egal, aber der Betreffende möchte halt nicht, dass es bekannt wird.

Was ist mit ehemaligen Abhängigen? Was ist mit Menschen in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung? Vielleicht möchten die nicht, dass jeder davon weiß? Und es ist verdammt nochmal ihr gutes Recht das geheim zu halten.

Was ist mit Menschen, die vergewaltigt wurden? Muss das jetzt jeder wissen? Nein.

Ja, ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir über alles reden können. Eine Gesellschaft, die tolerant ist - die Schwache schützt, Fehler verzeiht und Unglückliche beschützt. Ich wünsche jedem Menschen einen (oder mehrere) Partner und Freunde, mit denen er über alles reden kann und die tolerant sind. Aber auch in dieser Gesellschaft möchte ich sagen können: Das geht dich einen Scheißdreck an. Das ist mein Problem und damit werde ich alleine fertig. Und wenn ich soweit bin, sage ich Dir Bescheid. Und keine halbe Sekunde vorher.

Die ärztliche Schweigepflicht ist eines der wichtigsten Rechte, dass es in einer Gesellschaft gibt.

Blog reactions

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This Work, "Warum darf man keine Krankenakten veröffentlichen"?, by Sebastian Nerz is licensed under a Creative Commons Attribution license.

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  1. tirsales on 3. April 2011 - 12:43

    Und mir ist klar, dass ich einen sehr großen Teil der Probleme bei der Veröffentlichung von Krankenakten noch gar nicht angesprochen habe.

  2. Christopher (nicht überprüft) on 29. August 2011 - 15:44

    Ja, ich denke, dass hier ein sehr entscheidender Grund gegen die Veröffentlichung von Krankenakten nicht angesprochen wurde: Wie viele würden sich nicht behandeln lassen, wenn sie wüssten, dass sie sich für ihre Krankheit "rechtfertigen" müssten?

    Gerade bei psychischen Krankheiten trifft man regelmäßig auf den weit verbreiteten Irrtum, dass die Betroffenen "selbst schuld sein". Sie müssten sich halt mal "zusammenreißen" - beispielsweise sollten Depressive "halt mal positiv denken". Und bis heute gehen viele aus Angst vor eben diesen Urteilen oder "falschem" Schamgefühl nicht in Behandlung - wie viel schlimmer würde es für diese Menschen erst werden, wenn jeder "es" sofort erfahren würde?

    Und wer nicht gerne über andere Menschen nachdenkt und "harte Zahlen" lieber hat, der soll sich mal ausrechnen, wie viel wir sparen könnten, wenn alle mit ihren Krankheiten rechtzeitig zum Arzt gingen - und nicht erst, wenn sich alles so fest gesetzt hat, dass sie wirklich nicht mehr weiter können. Ein Gespräch mit einem beliebigen Arzt gibt vermutlich ein Gefühl für diese Kosten. Und dann soll er ausrechnen, wie viel teurer, es wird, wenn obige Argumente bedacht werden.

  3. marcomausf (nicht überprüft) on 3. April 2011 - 16:47

    Einerseits erschüttert es mich, dass jemand auf die Idee kommt diese Frage überhaupt zu stellen.

    Andererseits ist das ein Spezialfall des "Ich hab' doch nichts zu verbergen"-Standard-Irrtums.

  4. Stichflamme (nicht überprüft) on 17. Mai 2011 - 9:31

    Das wohl problematischste, was auch unaufmerksamen Menschen Angst machen würde ist die Job-Problematik.
    Heute muss man nur angeben wenn die Krankheit den Job beeinflusst. Was aber wenn jeder Personalchef weiss, dass man HIV oder einen empflindlichen Darm hat? Da wird man wohl kaum eingestellt...

  5. tirsales on 17. Mai 2011 - 10:03

    Jupp. Deshalb gibt es ja bsp. das explizite Verbot (Sonderberufe ausgenommen) entsprechende Tests zu machen.

  6. Gast (nicht überprüft) on 7. Juli 2011 - 10:21

    Ich glaube es bezieht sich wirklich auf "meine eigene Krankenakte".

    Beispiel:

    1) Ich würde MEINE Krankenakte in die Finger bekommen (was glaube ich erst mal garnicht so einfach ist).
    2) und Ich würde diese veröffentlichen. (Was glaube ich verboten ist)

    Dies basiert auf sehr "vernebelten" Erinnerungen (Vernebelt durch Ungewissheit / Ungenauigkeit).

    (1) sollte sehr schwer sein, bzw fast unmöglich und (2) IMO sogar verboten.

  7. tirsales on 7. Juli 2011 - 10:28

    Ich wüsste nicht, warum Du Deine Krankenakte nicht veröffentlichen dürftest? Ich bin kein Jurist, aber es würde mich sehr wundern.
    Ob hier das UrhG greift ... keine Ahnung. Aber es würde mich wundern.

    Und um die eigene Krankenakte zu erhalten .. beim Arzt nachfragen. Ich hab Kopien oder Scans der Röntgenbilder etc die mich interessieren ;)

  8. Gast (nicht überprüft) on 7. Juli 2011 - 10:26

    Nachtrag:

    Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, sind die "Befunde" "Eigentum" des Arztes der diese herstellt (Beispiel Röntgenbilder). Somit dürfen diese nicht rausgegeben werden. Bzw müssen immer zurück zum "Eigentümer" gehen.