Die bösen Computerspiele

12. Juli 2009 - 15:45 |

Nachdem die ePetition Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten vom 22.04.2009 mit 134.015 Unterzeichnern die aktivste Petition aller Zeiten war, liegt die Petition gegen das aktionistische Verbot sogenannter Killerspiele nach kurzer Zeit auch schon bei 42.944 Unterzeichnern (Stand: 12.02.2009 13:24) - bei 50.000 Unterzeichnern wird sich der Petitionsausschuss mit dem Thema beschäftigen müssen. Die paar Unterschriften schaffen wir jetzt auch noch! Ich gehe zwar davon aus, dass auch diese Petition wieder ignoriert wird - aber zumindest wird Politikern verdeutlicht, dass wir nicht alles mit uns machen lassen! Irgendwann werden sie es hoffentlich lernen.

Man kann von Computerspielen im Allgemeinen - oder von Egoshootern im Speziellen - halten was man möchte. Ich persönlich beispielsweise spiele nicht besonders viel - und aus Desinteresse daran auch keine Shooter. Aber: Die Politik macht es sich hier deutlich zu einfach. Statt die komplexe Thematik hinter Amokläufen anzugehen wird der geneigten Wählerschaft suggeriert, die Lösung sei unglaublich einfach und könnte - natürlich noch vor der nächsten Wahl - beschlossen werden. Und wenn die bösen Killerspiele dann verboten sind, ist die Welt - bis zum nächsten Amoklauf - wieder in Ordnung.

Wikipedia sagt dazu:

Monokausale Erklärungsansätze, die Amoktaten auf eine einzige Ursache zurückführen, scheiterten bei der Erklärung des Phänomens. Vielmehr wirken Voraussetzungen des sozialen Umfelds mit Voraussetzungen in der Persönlichkeit des Amokläufers zusammen. Während früher ein Amoklauf als direkte Folge einer individuellen psychischen Störung angesehen wurde, gilt diese Erklärung heute als widerlegt. Als Auslöser eines Amoklaufs gelten eine fortgeschrittene psychosoziale Entwurzelung des Täters, der Verlust beruflicher Integration durch Arbeitslosigkeit, Rückstufung oder Versetzung, zunehmend erfahrene Kränkungen sowie Partnerschaftskonflikte. Meist spielen vor einem Amoklauf mehrere Faktoren eine Rolle. Dabei sind diese nicht unmittelbar direkt vor dem Ereignis gelegen, sondern können bereits seit längerer Zeit bestehen.

Ich halte es für grob fahrlässig komplexe Themen - wie die Psychologie hinter Amoktaten - auf einzelne Ursachen zurück führen zu möchten. Die Frage bleibt nur, ob die beteiligten Politiker wirklich glauben hier im Recht zu sein oder ob es nur - mal wieder - um politische Effekthascherei für die nächste Wahl geht. Und was ist besser? Dummheit oder Ignoranz?

Für mich bleibt als Folge, dass die beteiligten Politiker sich lächerlich machen - und dass sie mal wieder demonstrieren, dass die etablierten Parteien in einer modernen Gesellschaft (oder im Umgang mit modernen Medien) versagt haben.

 

-- Aktualisierung:

55.404 Unterzeichner der Petition (Stand: 15.07.2009, 00:51) - die Petition muss durch den Petitionsausschuss behandelt werden. Ich gratuliere!

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